Keine Grenzen, nur Horizonte

Tom Hausken
Tom Hausken

Kürzlich hörte ich etwas sehr Kluges auf einer Konferenz in Stanford: Der französische Laserpionier Gérard Mourou erklärte, die Lasertechnologie kenne keine Grenzen, sondern nur Horizonte. Ich finde, das trifft es sehr gut. In dieser Sparte werden heute rund sieben Milliarden Dollar umgesetzt und sie expandiert noch immer - zwar nicht mehr so schnell wie früher, aber es gibt noch immer aufregende Möglichkeiten.

Auch Marktanalysten können nicht alles vorhersagen. Wir stellen uns zwar auch spannende Anwendungen vor, aber der Weg dorthin sollte klar erkennbar und nicht nur Träumerei sein. Ich bin Marktanalyst und kein Cheerleader. Eine spannende und extrem anspruchsvolle Vision ist die laserbasierte Kernfusion. Viele Menschen sehen das mit Skepsis, aber für mich ist das keine Science-Fiction, denn der Weg dorthin zeigt sich. Es wäre großartig, wenn wir dieses Ziel in 20 bis 30 Jahren erreichen könnten. Und genau darum geht es Mourou. Er ist der Leiter des europäischen Projekts Extreme Light Infrastructure (ELI), das am größten Laser mit ultrahoher Pulsspitzenleistung der Welt arbeitet - mit einer Milliarde Gigawatt. Ein möglicher Anwendungsbereich ist die Unterstützung von Teilchenbeschleunigern, mit denen Grundlagenphysik betrieben wird. Eine weitere aufregende Entwicklung ist der energiereichste Laser der Welt im Lawrence Livermore National Laboratory. Er bedeckt drei Fußballfelder und soll die Kernfusion ermöglichen helfen. An diese Projekte wird man sich auch noch in 50 Jahren erinnern.

Revolutionäre technologische Entwicklungen sind aktuell nicht zu sehen, sondern eine stetige Evolution. Reichlich Raum zur Weiterentwicklung bieten beispielsweise Diodenlaser. Besonders bei Hochleistungsdioden könnten uns unglaubliche Erfolge bevorstehen. Auch Faser- und ultraschnelle Laser, die mit neuen Wellenlängen wie grünem oder ultraviolettem Licht arbeiten, entwickeln sich rasant. Diese Technologien mussten erst reifen. Die Herausforderungen sind bekannt, aber es braucht auch weiterhin Zeit, um zum Ziel zu gelangen.

Auf der Anwendungsseite stehen uns sicher Überraschungen bevor, doch auch hier werden Veränderungen eher evolutionärer Natur sein. Lehnt man sich zurück und blickt 50 Jahre in die Zukunft, lautet die wichtigste Frage: Was werden die größten technologischen Herausforderungen sein? Eine davon ist die Medizin: Hier haben wir bisher nur an der Oberfläche gekratzt. Der Laser wird großen Einfluss darauf nehmen, wie wir neue und billigere Medikamente entwickeln und wie wir Krankheiten diagnostizieren und behandeln. Nicht, dass die Photonik die heutige Medizin grundlegend verändern wird, aber sie wird enorme Durchbrüche ermöglichen. Ein weiteres Gebiet ist die Sicherheit: etwa Systeme, die Eindringlinge erkennen und Computer sicherer machen. Die Welt in 50 Jahren wird eine völlig andere sein, in der Sicherheit eine deutlich größere Rolle in unserem Leben spielt. Das nächste große Thema sind Ressourcen: Energie, Wasser, saubere Luft, Rohstoffe. Laser können bei der Umweltbeobachtung, der Herstellung von Solar- und Brennstoffzellen und Herausforderungen wie der Kernfusion helfen. Und schließlich: kundenspezifische Massenfertigung. Das ist kein Paradox: Laser können gleichzeitig in Massen und nach Maß produzieren. Die wenigen Global Player, die heute vorangehen, werden auch in Zukunft die Hauptakteure sein: Deutschland und Nordamerika. China ist zwar auf dem Vormarsch, wird jedoch den Markt für Hochleistungslaser nicht erobern.

Marktansichten