„Mit dem Labor zogen wir in die Waschküche“

Eugene Watson gründete das älteste Laserunternehmen, das noch im Markt ist. Erinnerungen an die Geburt einer Branche

Quanta-Ray, 1976
Quanta-Ray, 1976 (v.l.): Gene Watson mit dem japanischen Generalvertreter seines neuen Unternehmens Quanta-Ray Toru Maruyama, seinem alten Freund und Mitgründer Earl Bell und dem Stanford-Wissenschaftler Richard L. Herbst. 1981 verkauften Watson und Bell Quanta-Ray an Earl Bells frühere Gründung und Gene Watsons ehemaligen Arbeitgeber Spectra-Physics. Der Markenname besteht dort noch immer.

Wann hat der Strahl Sie getroffen?

Das fing schon an, bevor es das Akronym „Laser" überhaupt gab. Ich wurde zum Koreakrieg eingezogen und als Radaroffizier eingesetzt. Zuvor hatte ich mich nie mit Technik beschäftigt. Aber hier packte es mich und ich habe mich regelrecht vernarrt in die Wissenschaft. Am meisten gefiel mir daran, dass eine wissenschaftliche Tatsache, wenn man sie erst einmal entdeckt hat, für immer wahr bleibt. Sie wird niemals zur Unwahrheit. Zudem zogen mich diese Menschen an - ihre Integrität, ihr Intellekt, ihr Wissensdurst. Als ich die Armee verließ, zog ich wieder in die Gegend um San Francisco und suchte bei einer Reihe von Unternehmen nach Arbeit, darunter auch Varian Associates. Die beschäftigten sich intensiv mit Mikrowellen, was zu meinem Hintergrund als Radartechniker passte. Also stellten sie mich ein. Dort hatte ich das Glück, eine lebenslange Freundschaft mit Earl Bell aufbauen zu können, einem weiteren Autodidakten. Er war Mitgründer von Spectra-Physics und Erfinder des Ionenlasers.

Welchen Einfluss hatte diese Freundschaft auf Sie?

Earl Bell hatte einen enormen Einfluss auf mich. Er blickte auf ein bemerkenswertes Leben zurück - unter anderem hatte er im Zweiten Weltkrieg im Alleingang einen Geleitflugzeugträger gerettet. Earl war ein sehr kreativer Kopf und hatte für jedes Problem eine raffinierte Lösung parat. Wir starteten einige gemeinsame Projekte, wie zum Beispiel eine Dampfeisenbahn in New Mexico und die Gründung von Quanta-Ray, eines erfolgreichen Unternehmens, das später von Spectra-Physics zurückgekauft wurde.

Gene Watson mit alter Anzeige
Erinnerung an eine wilde Zeit: 1966 stellte Gene Watson mit dieser Anzeige Coherents ersten CO2-Laser vor: „Der erste Laser, der wirklich etwas leisten kann“.

Wie begann Ihre tatsächliche Arbeit an der Lasertechnik?

Nach der Konferenz der Physics Society im Jahr 1958, bei der Charles Townes und Arthur Schawlow erklärten, dass und wie ein Laser möglich sei, geschah das Gleiche wie mit der Meile und den vier Minuten: Wir waren überzeugt, dass niemand eine Meile in vier Minuten laufen könne, bis es jemand schaffte. Danach konnte es plötzlich jeder. Niemand konnte einen Laser bauen, bis Ted Maiman es im Jahr 1960 vormachte. Wie viele andere zogen wir mit der Entwicklung unseres eigenen Rubinlasers nach. Den fand ich jedoch nicht besonders spannend, da ich keinen kommerziellen Nutzen sah. Mehr interessierte mich der Helium-Neon-Laser, der 1961 entwickelt wurde. Unmittelbar nach der Entwicklung bei Bell Labs bauten wir bei Varian einen Helium-Neon-Laser auf einem Schaltbrett nach.

Dann kamen die stürmischen ersten Jahre, richtig?

Das stimmt. Ich fing im Jahr 1962 bei Spectra-Physics an und bereits zwei Jahre später war der Umsatz von 134 000 US-Dollar auf 1,7 Millionen US-Dollar gestiegen. Dazu führte eine Reihe von Umständen: der Kuriositätenmarkt, auf dem gutes Geld zu verdienen war, und Menschen, die begannen, sich mit möglichen Anwendungen zu beschäftigen. Zu der Zeit konnte ich von allem, was neu war, gleich 100 Stück verkaufen. Viele Labore auf der ganzen Welt konnten frei über ihre Mittel verfügen, und wenn man ihnen etwas Neues vorführte, mussten sie es einfach kaufen. Allein schon, um ihre Neugierde zu befriedigen. Die Frage war, ob ich auch 200 Stück verkaufen könnte. Mein Job war, die Menschen dazu anzuregen, über den Laser als ein Gerät zur Arbeitsersparnis nachzudenken. Ich schaltete eine Anzeige in der Zeitschrift Scientific American, deren wundervolle Leserschaft aus Laien mit wissenschaftlichem Interesse und Wissenschaftlern mit Interesse an allgemeinen wissenschaftlichen Kenntnissen bestand. Ich dachte mir, wenn wir die von den zahlreichen Möglichkeiten des Lasers überzeugen könnten, würde es sich herumsprechen. Ich glaube, wir haben damit einige zu neuem Denken angeregt.

 

Trotzdem verließen Sie Spectra-Physics?

Ich kam zu folgender Überzeugung: Wenn ich wirklich an die Dinge, die ich dort erforschte, und an meine Empfehlungen glaubte, dann sollte ich auch danach handeln. Früh in meiner Entwicklung hatte jemand zu mir gesagt: „Fünf Prozent der Menschen sorgen für Veränderung, fünfzehn Prozent sehen dabei zu, und achtzig Prozent wissen nicht, dass sich etwas verändert, oder wollen es nicht wissen." Und ich sagte: „Ich will zu den fünf Prozent gehören." Wenn man wirklich an etwas glaubt, dann sollte man entweder danach handeln oder es vergessen. Ich habe mich noch oft für das Handeln entschieden.

Gene watson in seiner Red Ladder Ranch in Wyoming
Von wegen Ruhesitz: Von seiner Red Ladder Ranch in Wyoming aus unterstützt Gene Watson heute Technologie-Start-ups

Hatten Sie damals konkrete Anwendungen für den Laser im Kopf oder glaubten Sie einfach an die Technologie?

Beides. Der nächste wichtige Laser war der Ionenlaser. Er erzeugte mehr Leistung als ein Helium-Neon-Laser, und das wurde verlangt. Außerdem war der Helium-Neon-Laser typischerweise rot, während der Ionenlaser das gesamte Spektrum abdeckte. Es war klar, dass der Markt - warum auch immer - nach verschiedenen Farben verlangen würde. Ich kam mit der DuPont Company in Kontakt, die einen „weißen Ionenlaser" für ein Projekt zur holografischen Datenspeicherung wollte. Mitte der 1960er-Jahre stellte niemand so einen her. DuPont gab ihn bei Spectra-Physics in Auftrag, aber das Management lehnte ab. So entstand Coherent. Frei nach meinem Motto: „Wenn du wirklich daran glaubst, dann handle danach." Der Beginn meines Lebens als bekennender Serienunternehmer.

Können Sie uns erklären, was Sie damit meinen?

Ich glaube, ich bin der geborene Unternehmer. Bereits mit vielleicht sechs Jahren lief ich durch die Gegend und verkaufte Liberty-Magazine. Wenn ich mich recht entsinne, kaufte ich sie für vier Cent und verkaufte sie für fünf: ein Penny Gewinn. Heute kann man so etwas nicht mehr machen. Mich begeistert, welche sozialen Vorteile eine Unternehmensgründung hat: Wir generieren damit Wohlstand. Damit meine ich die Möglichkeit, zu heiraten, Familien zu gründen, Häuser zu kaufen und den eigenen Lebensstandard zu verbessern. Ob Wohlstand auch das Leben der Menschen verbessert, kann ich natürlich nicht sagen, aber zumindest haben sie die Möglichkeit.

 

Was hat Sie endgültig davon überzeugt, dass der Laser eine nützliche Technologie ist?

Ich habe mit Earl Bell oft Probleme und Anwendungsbereiche diskutiert. Zum Beispiel dachten wir daran, wie der Rubinlaser ein Loch in eine Rasierklinge stanzte. Da kam uns die Idee, dass man den Laser zur Werkstoffbearbeitung verwenden könnte, wenn man nur genügend Durchschnittsleistung hätte. Die hatte der Rubinlaser nicht. Als der CO2-Laser mit dieser Fähigkeit auftauchte, erkannten Earl und ich sofort dessen Bedeutung, und er sagte: „Gene, das ist der erste Laser, der echte Arbeit verrichten kann." Damit hatte er recht. Unseren ersten CO2-Laser verkauften wir an ein Fertigungslabor von Boeing, die damit Titan-Schneiden und
-Schweißen testeten. Der erste Laser ist noch heute ein Arbeitspferd.

Gene Watson im Gespräch mit der LaserCommunity
Gene Watson im Gespräch mit der LaserCommunity

Mit dieser Überzeugung gründeten Sie bei sich zu Hause Coherent?

Ja, wir wollten erst mal keine Räume mieten. Allerdings brauchten wir 220 Volt Stromspannung. Deshalb zogen wir mit dem Labor in die Waschküche. Dort nutzten wir den Stromanschluss des Wäschetrockners für unsere Experimente mit dem CO2-Laser und den Wasseranschluss der Waschmaschine, um das Ding zu kühlen. Aber wir hatten nicht genügend freie Strecke für den Strahl, um zu sehen, ob wir eine kohärente Strahlung erhielten. Also leiteten wir den Strahl über ein paar Spiegel aus der Tür hinaus über die Straße auf das Garagentor meines Nachbarn, den ich nicht leiden konnte, weil er sich dauernd beschwerte. Wenig später erschien ein brauner Fleck auf seinem Garagentor und wir sagten: „Hey, wir haben einen Laser!" Das Potenzial des Lasers schien schon damals grenzenlos zu sein.

 

Welche Möglichkeiten, glaubten Sie, würde er bringen?

Ich war früh davon überzeugt, dass der Laser die Medizintechnik revolutionieren würde. Und ich glaubte an den Laser als ein wichtiges Werkzeug bei der optischen Spektroskopie. Was er heute tatsächlich ist. Aber am meisten bin ich von seiner Allgegenwärtigkeit begeistert. Heute findet man in praktisch jedem Haushalt irgendwo einen Laser.

Laserpionier