Das neue Licht

Im Mai 1960 zündete Theodore H. Maiman den ersten Laserblitz. Im Dezember 1964 erhielt der Laser-Vordenker Charles H. Townes den Nobelpreis. Nur die neue Ära ließ zunächst auf sich warten.

Charles H. Townes (links) und James P. Gordon
1955, der Ausgangspunkt: Charles H. Townes (links) und James P. Gordon präsentieren ihren Maser, die Technologie, aus der der Laser hervorging.

Eine neue Technologie versprach 1960 die Welt zu verändern. Man sagte, sie werde bald Augen heilen, Signale übertragen und Werkstücke bohren, schneiden oder verschweißen können. Sie erlaube es, Raketen zu leiten, zu orten oder zu zerstören, die Verschmutzungen der Atmosphäre zu messen oder gar eine Kernfusion zu zünden. Reader's Digest schrieb damals vom „light of hope", die New York Times sah den Laser die Zukunft erleuchten und das Time Magazine nannte ihn „das heißeste Thema in der Festkörperphysik seit dem Transistor". Dieser hatte kurz zuvor die elektronische Revolution ausgelöst: die Grundlage einer neuen Milliarden-Dollar-Industrie, beherrscht von den USA. Alle bedeutenden Forschungseinrichtungen in den USA wandten sich dem Laser zu und die öffentlichen Forschungsprogramme spiegelten diese Wendung: Die US-Regierung setzte im Kalten Krieg auf militärische Stärke durch technologischen Vorsprung und hatte in den 1950er-Jahren die Etats vervielfacht. Allein das Verteidigungsministerium förderte 1962 laut „Aviation Week and Space Technology" den Laser mit rund 1,5 Millionen US-Dollar.

Ali Javan (Mitte), Donald Herriott (vorn) und William R. Bennett jr.
1960, Ali Javan (Mitte) zündete mit Donald Herriott (vorn) und William R. Bennett jr. seinen Helium-Neon-Laser kurz nach Theodore H. Maimans Rubinlaser.

Für die neue Laserindustrie bedeuteten die militärischen Forschungsprogramme das, was vierzig Jahre später Aktionäre und Risikokapitalgeber für die Internetbranche waren: leichten Zugang zu frischem Geld. Ende 1962, zweieinhalb Jahre nach Theodore H. Maimans geglücktem Laserexperiment, setzte die Laserbranche laut Barron's Magazine rund eine Million US-Dollar um. Fast 500 Unternehmen forschten an oder mit Lasern. Knapp 20 bis 30 Unternehmen brachten Laser auf den Markt. Ein Markt, dem die Wirtschaftspresse 1 000 Prozent Wachstum bis 1973 prophezeite: eine Milliarde US-Dollar würden es dann sein. Die Schätzung sollte um Jahrzehnte zu kurz greifen.

Um 1964 hatten Laserforscher und Ingenieure zwar schon vieles probiert. So veröffentlichte 1963 der Chefredakteur der Zeitschrift Electronics Magazine John Carroll „Die Laser-Geschichte". Das Buch zeigt unter anderem Bilder eines 500-Watt-Lasers, der einen Stahlträger durchbohrt, sowie Experimente mit Datenspeicherung und der Übertragung von Fernsehsignalen. Doch jeder Versuch, eine bestehende Anwendung auf den Laser zu übertragen, zeigte, dass die „konventionelle" Anwendung überlegen blieb, solange man die Applikation nicht vom Laser her komplett neu entwickelte. Genau das drückten 1964 enttäuschte Laser-Enthusiasten mit dem bekannten Satz aus: „Der Laser ist eine Lösung auf der Suche nach einem Problem." Gemeint war: Während der Transistor ganz einfach die Röhre ersetzt hatte, war der Laser ein noch unerforschtes Werkzeug. Und auch die Laser selbst stellten noch ein Problem dar: Die Lasermaterialien waren nicht rein genug, die Konstruktion war anfällig und die Leistung oft unzureichend. Noch fehlten Anwendungen, die die industrielle Spirale aus steigenden Stückzahlen, standardisierten Produkten und fallenden Preisen hätten in Gang setzen können.

Arthur L. Schawlow
1960, Arthur L. Schawlow im Labor. Charles H. Townes und er skizzierten 1958 die Idee zum Laser.

Bei Lasern niedriger Leistung schufen Ende der 1970er-Jahre Scannerkassen, Laserdrucker und Messtechnik solche Anwendungen für den Helium-Neon-Laser. CD-Player und der Ausbau der Datenübertragungsnetze förderten zugleich die rasante Karriere der Halbleiterlaser als winzige, kostengünstige Laserdiode. Der Transistor hatte die Elektronik in wenigen Jahren zur Miliardenbranche gemacht. Vom Laser erwartete die Öffentlichkeit ähnliches. Heute ist die digitale Informationstechnik und Unterhaltungselektronik auf den Laser angewiesen.

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