Hochleistungslaser starten durch
Für die Hochleistungslaser begann 1967 in Großbritannien eine entscheidende Entwicklung. Ein Maschinenbauer, Messer Griesheim, ein Strahlquellenhersteller, Coherent, und ein Forschungsinstitut, The Welding Institute, arbeiteten gemeinsam daran, den Laser für ein neues industrielles Verfahren einzusetzen: das Schneiden von Blechen. Dieses Modell der Entwicklungsallianz ist bis heute typisch in der Laserbranche. Dr. Hans-Josef Haepp, ehemaliger Leiter Produktions- und Werkstofftechnik bei der Daimler AG in Sindelfingen, sieht in ihm sogar das wesentliche Erfolgsmodell für den Durchbruch des Lasers in der industriellen Fertigung, wie er in Deutschland ab Anfang der 1980er-Jahre stattfindet. Als Beispiel beschreibt er die Entwicklung von Schweißapplikationen im Karosseriebau bei Daimler: „Das Institut für Strahlwerkzeuge IFSW brachte wesentliche Erkenntnisse zur Wechselwirkung zwischen Photonen und metallischen Werkstoffen sowie zur Prozessüberwachung ein. TRUMPF setzte diese in industrietaugliche Systeme um, die die Daimler AG in einer sehr frühen Phase auf ihre Praxistauglichkeit testete. Die dabei gewonnenen Erkenntnisse standen allen Partnern zur Verfügung und wurden zur gezielten Weiterentwicklung der Technologie genutzt."
Die Entwicklungspartner von 1967 versprachen sich vom Laserschneiden eine deutlich bessere Schnittqualität gegenüber anderen Verfahren. Zudem besaß das Laserschneiden das Potenzial, sich als industrielle Standardapplikation einen wachsenden Markt zu erschließen: Seit den frühen Sechzigerjahren hatten Maschinen wie die Kopier-Nibbelmaschine von TRUMPF die industrielle Blechbearbeitung revolutioniert und einen neuen Markt geschaffen: Die Kopier-Nibbel- und später die NC-Maschine ermöglichten freie Konturen mit einem automatisch gesteuerten Prozess. Dabei waren sie auch für kleine Unternehmen bezahlbar, die so als Lohnfertiger Bleche mit industrieller Präzision bearbeiten konnten. Die erste Laserschneidanlage stand dann auch bei einem Job-Shop in Birmingham. Allerdings war auch diese Laseranlage eine Sondermaschine.
Große Maschinenbauer wie Messer Griesheim erschlossen ihren Kunden auf diesem Weg das neue Werkzeug, teils mit eigenen Strahlquellen, teils als Integrator. Andere spezialisierten sich ganz darauf, von Applikation zu Applikation Spezialwissen aufzubauen: Jürgen Held war mit Held Systems einer der Ersten: „Wir leben davon, Maschinen zu bauen, die noch nicht jeder bauen kann oder die so speziell sind, dass nur wenige sie brauchen. Der Laser bot von Anfang an in beide Richtungen außerordentliche Möglichkeiten", sagt er. Der Bau von Lasermaschinen begann, sich als Geschäftsmodell zu entwickeln. Davon ermutigt trieben ihn die Integratoren voran. Im Lauf der 1970er-Jahre wuchs so das technische Wissen. Zugleich entwickelte sich mit dem zunehmenden Lasereinsatz das Geschäft mit technischen Komponenten für die Strahlerzeugung sowie die Führung und Kontrolle des Laserlichts. Ende der 1970er-Jahre hatte das Schneiden von Blechen auf diese Weise so viel Kontur gewonnen, dass die Entwicklung einer Standardmaschine in der Luft lag: Auch TRUMPF experimentierte bereits mit einem importierten CO2-Laser, wurde aber 1978 von dem amerikanischen Wettbewerber Strippit geschlagen. Dieser präsentierte schon auf der IMTS in den USA seine erste Laserschneidmaschine. Ihr folgte im Herbst 1979 die erste Stanz-Laser-Kombimaschine von TRUMPF. Die Maschine zielte ganz direkt auf den Markt der flexiblen Blechfertigung: Die Kunden sollten keinen Hightech-Traum sehen, sondern eine vertraute Maschine, allerdings mit einem Mehrwert: ein „Werkzeug" aus Licht, das per NC-Steuerung frei programmierbare Konturen schneidet.
Die erste Maschine installierte Siemens, jedoch nicht in der normalen Blechfertigung, sondern in einer Laborumgebung. Auf der Suche nach einem Lohnfertiger als weiteren Referenzkunden verhandelte der damalige Vorsitzende der Geschäftsführung Prof. Berthold Leibinger mit dem Heidelberger Job-Shop Autz+Herrmann. Helmut Autz war sofort interessiert. Seine Kollegen dagegen zweifelten. Sie beobachteten, wie vorsichtig die Bediener bei Siemens die Maschine behandelten, und waren sich sicher, dass so eine Maschine in einer Werkstatt nie laufen würde. Das Argument, das schließlich stach, lautete: „Natürlich können Sie auf bessere Maschinen warten. Und natürlich werden bessere Maschinen kommen. Aber bis dahin holen sich diejenigen die Aufträge, die schon jetzt beschließen, mit dieser Maschine zu arbeiten." Für das ehemalige „Ingenieurspielzeug" Laser begann so die steile Karriere als Werkzeug und Wettbewerbsfaktor. Für die weitere Entwicklung der Hochleistungslaser bedeutete die Verbreitung des Laserschneidens mit Standardwerkzeugmaschinen das Gleiche wie Fords „Modell T" für das Automobil.
